Flugsicherung und Windenergie

Um einen sicheren Luftverkehr zu gewährleisten, betreibt die DFS zahlreiche flugsicherungstechnische Anlagen für Kommunikation, Navigation und Ortung. Exponierte Standorte wie Bergkuppen oder Anhöhen sowie Freiflächen bieten ideale Bedingungen. Denn eine störungsfreie Übertragung ist unabdingbar dafür, dass unsere Fluglotsen auf zuverlässige Radarinformationen zugreifen und Piloten bei der Navigation die vorgegebene Flugroute einhalten können.

Mit dem Ausbau der Windenergie bekommen die DFS-Anlagen allerdings zunehmend Konkurrenz. Denn Windkraftanlagen profitieren von den gleichen Standortbedingungen, die auch für Flugsicherungsanlagen optimal sind. Das Problem dabei: Windräder können diese Anlagen stören. Das gilt insbesondere für Radaranlagen und bodengestützte Navigationsanlagen, so genannte Drehfunkfeuer.

Sende- und Empfangsstellen für Funkdienste stellen die Kommunikation zwischen Piloten und Fluglotsen sicher. 

Radaranlagen sorgen dafür, dass die Lotsen immer über die genaue Position der Flugzeuge informiert sind. 

Navigationsanlagen helfen den Piloten bei der Standortbestimmung.


Schutzbereiche um Drehfunkfeuer

UKW-Drehfunkfeuer (VOR) und Doppler-UKW-Drehfunkfeuer (DVOR) sind die Leuchttürme der Luft. Sie senden ununterbrochen ein drehendes Funksignal – daher der Begriff „Drehfunkfeuer“ – sowie ein Referenzsignal für den magnetischen Nordpol aus. Diese werden vom Flugzeug empfangen, ausgewertet und dienen dem Piloten zur Orientierung.

Stehen Windenergieanlagen oder andere Bauwerke zu nah am Drehfunkfeuer, können diese das Signal der Navigationsanlage stören, indem sie es reflektieren. Diese Reflexion erreicht den Flugzeugempfänger zusätzlich zum Ursprungssignal und führt zu Winkelfehlern, also verfälschten Richtungsinformationen.

Um solche Störungen zu vermeiden, sieht die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) die Festlegung von Schutzbereichen rund um diese Anlagen vor. Anlagenschutzbereiche sind keine generellen Bauverbotszonen. Sie sind aber im Genehmigungsverfahren relevant: In diesen Gebieten muss bei jedem Bauvorhaben gesondert geprüft werden, ob von dem Bauwerk eine mögliche Störung von Flugsicherungsanlagen ausgeht.

Hinsichtlich der Größe der Anlagenschutzbereiche hält sich die DFS an Empfehlungen der ICAO. Dort sind die erforderlichen Genauigkeiten für die Signale von Radar- und Navigationsanlagen definiert. Darüber hinaus berücksichtigen wir örtliche Gegebenheiten, zum Beispiel die Topografie oder bereits vorhandene Störquellen. Auf dieser Basis wird für jedes Bauvorhaben die Größe des Anlagenschutzbereichs individuell festgelegt.




Der Prüfungsprozess

Bei der Genehmigung von Bauvorhaben innerhalb eines Anlagenschutzbereichs kommt der DFS als Betreiberin der Flugsicherungsanlagen eine wichtige Rolle zu: Sie prüft im Auftrag des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung (BAF), ob das geplante Bauwerk die Signale der Flugsicherungseinrichtungen stören könnte. So ist es im Luftverkehrsgesetz festgelegt.

Sofern es sich bei dem Bauwerk um eine Windkraftanlage handelt, nutzen wir seit Mitte 2020 eine nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt modifizierte Bewertungsmethode. Mit ihrer Hilfe können wir die speziellen Störungen, die von Windkraftanlagen ausgehen, besser abschätzen als vorher.

Für die Bewertung dieser Ergebnisse ziehen wir Standards und Empfehlungen der ICAO heran. Anschließend erarbeitet die DFS eine gutachterliche Stellungnahme. Auf dieser Grundlage entscheidet das BAF, ob das beantragte Bauvorhaben die Flugsicherungseinrichtungen stören könnte, und teilt die Entscheidung der für das geplante Bauvorhaben zuständigen Genehmigungsbehörde mit.

www.baf.bund.de



 

DFS fördert den Ausbau der Windenergie

Allein in den Schutzbereichen der Drehfunkfeuer, die die DFS betreibt, stehen schon jetzt mehr als 2.100 Windkraftanlagen. Und ihre Zahl wird weiter steigen: Bis 2030 stellen wir im Rahmen eines europäischen Programms die An- und Abflugverfahren an sämtlichen internationalen Flughäfen in Deutschland auf satellitengestützte Navigationsverfahren um. Das schafft Raum für die Außerbetriebnahme von Drehfunkfeuern – und damit für neue Windräder.

Vollends verzichten können wir auf bodengestützte Navigationsanlagen aber nicht: In Deutschland gibt es aktuell keine Verpflichtung, Satellitennavigation zu nutzen und Luftfahrzeuge mit Satellitenempfängern entsprechend auszurüsten. Außerdem dienen die bodengestützten Anlagen als Fallback-Systeme, sollten die Satellitensignale nicht verfügbar oder gestört sein.

Deshalb müssen wir unsere bodengestützten Navigationsanlagen auch weiterhin vorhalten, allerdings in zahlenmäßig begrenztem Umfang. Unsere bestehenden Anlagen werden dabei kontinuierlich erneuert: Wir ersetzen normale Drehfunkfeuer durch die technisch aufwändigeren Doppler-UKW-Drehfunkfeuer, die weniger anfällig gegen Störungen sind.


  

 

Hindernisschutz

Unabhängig von den Vorgaben des Anlagenschutzes prüft die DFS außerdem, ob ein geplantes Bauwerk ein Hindernis für die Luftfahrzeuge selbst darstellen kann. Diese Prüfung geschieht in direktem Auftrag der Landesluftfahrtbehörden, ohne Beteiligung des BAF. Hier kann die DFS bestimmte Auflagen empfehlen – zum Beispiel Höhenbeschränkungen, Tages- und Nachtkennzeichnungen zur rechtzeitigen Erkennbarkeit oder Veröffentlichungen (beispielsweise im Luftfahrthandbuch). Sollte dies nicht ausreichen, kann sie das Bauvorhaben aber auch ablehnen.

In Deutschland werden ab einer gewissen Höhe sowie im Umfeld von Flugplätzen (in den Bauschutzbereichen) alle Bauvorhaben flächendeckend überwacht. Grundlage hierfür ist das Luftverkehrsgesetz. Es gewährleistet, dass die Vorhaben bei der jeweils zuständigen Landesluftfahrtbehörde zwingend vorgelegt werden. Auf Grund ihrer Höhe und Ausdehnung unterliegen Windenergieanlagen ebenfalls dieser Pflicht.

Hindernisschutz gilt auch für den Überlandflug – denn der Pilot muss wissen, wo auf dem Flugweg mit hohen Hindernissen zu rechnen ist. Für niedrig fliegende Luftfahrzeuge, beispielsweise Rettungshubschrauber, werden deshalb alle Bauwerke ab einer Höhe von 100 m über Grund in den Luftfahrtkarten veröffentlicht. Nachts müssen Hindernisse eine ausreichende Befeuerung tragen, um für den Luftfahrzeugführer sichtbar zu werden.

Die Navigationsanlagen der DFS 

Die DFS modernisiert fortlaufend ihre Navigations-Infrastruktur. Für den weiteren Ausbau der Windkraft sind insbesondere Drehfunkfeuer von Interesse. Seit 2002 wurden 17 Drehfunkfeuer abgebaut, rund 20 weitere Anlagen werden im Rahmen der Umstellung auf Satellitennavigation bis zum Jahr 2032 folgen. Außerdem werden die störempfindlicheren konventionellen Drehfunkfeuer (CVOR) gegen robustere Doppler-Drehfunkfeuer (DVOR) ersetzt. Dies schafft noch mehr Platz für Windkraftanlagen und unterstützt damit die in Deutschland angestrebte Energiewende.   

Zwischen 2002 und 2022 (Stand: 25. März) hat die DFS die Zahl der Drehfunkfeuer bereits deutlich reduziert. Die Grafik dient der Illustration und ist für planerische Zwecke nicht geeignet. 


Diese Anlagen sollen in den nächsten Jahren außer Betrieb genommen werden: 

CVOR: 

  • Luburg VORDME (2023) 
  • Fürstenwalde VORDME (2025) 

DVOR: 

  • Cola (2024) 
  • Gedern (2024) 
  • Roding (2025) 

Diese Anlagen sollen in den nächsten Jahren von CVOR auf DVOR umgerüstet werden:  

  • Köln/Bonn (2022) 
  • Düsseldorf (2023) 
  • Frankfurt am Main, Charlie (2023) 
  • Nienburg (2023) 
  • Frankfurt am Main, Metro (2024) 
  • Rügen, Trent (2024) 
  • Magdeburg (2025)  

Bitte beachten Sie: 

  • Diese Liste gibt den aktuellen Planungsstand im März 2022 wieder. Aus betrieblichen oder technischen Gründen können sich jederzeit Änderungen ergeben. Dies gilt sowohl für die zur Außerbetriebnahme vorgesehenen Anlagen als auch für den Zeitpunkt der Außerbetriebnahme.  
  • Die Liste ist deshalb unverbindlich und als Grundlage für die Planung von Bauvorhaben nicht geeignet. 
  • Die technische Außerbetriebnahme umfasst nicht den unmittelbaren Abbau der Antennenanlage. Die Anlage wird lediglich zunächst ausgeschaltet und der Anlagenschutzbereich abgemeldet. 
  • Nach Außerbetriebnahme der Drehfunkfeuer werden an den Standorten zumeist Entfernungsmesseinrichtungen weiterbetrieben. Diese weisen mit drei Kilometer Radius einen deutlich kleineren Anlagenschutzbereich auf.